Dienstag, 14. März 2017

Berlinleben 019

Lustorte

Es gibt einige, ungewöhnliche Orte, um es zu tun in Berlin. Dazu gibt es längst Führer und die immer zahlreicher werdenden Berliner Sex Touristen frequentieren sie regelmäßig, am besten noch, um dabei aufzufallen oder gefilmt zu werden. So sorgen soziale Netzwerke für promsikuitiven Ruhm, der sich zu übertreffen sucht.

Spannender finde ich, wenn sich die gewöhnlichen Orte des Alltags völlig unerwartet plötzlich in Orte der Lust verwandeln und so die normale Umgebung in der Erinnerung ein ganz anderes Gesicht bekommt.

Verliebt tust du alles, auch Dinge, die dich nüchtern eher die Stirn runzeln ließen. Aber ist es wirklich die Liebe, die das Hirn ausschaltet oder sind es nur die Triebe, die uns dann führen und verführen?

Sofern du ein Gefühl füreinander hast, bekommst du irgendwann Lust, alle Grenzen zu überwinden, um dich egal wo, voller Lust zu spüren, zumindest solange du nicht im Beziehungsalltag versunken, dich nur noch im Konkurrenzkampf ergehst oder frigide gehemmt bist, was häufiger vorkommt, als ich lange glauben wollte. Der beste Weg aus diesem immer irgendwann Stumpfsinn aber sind Grenzüberschreitungen, die den alten Kitzel wieder wecken können. Wenn Paaren das noch gelingt, schaffen sie die beste Voraussetzung für dauerhafte Lust und Liebe miteinander.

Hatte mal eine Verlobte, die machte es an, wenn wir es unter eventueller Beobachtung oder an irgendwie einsichtigen Orten taten. Sonst war sie nicht sonderlich außergewöhnlich, eher das Gegenteil, aber dabei wurde sie richtig wild und im nachhinein habe ich mich manchmal geärgert, diese Quelle ihrer Lust nicht intensiver genutzt zu haben, vielleicht hätte es ja noch gut werden können, auch wenn alle Erfahrung dagegen sprach, es bis auf diesen ihren Kitzel am Anfang eher öde bleiben würde, ich nie viel dabei fühlte, weil nix passierte - aber das kann auch an der fehlenden Harmonie miteinander dabei gelegen haben und vielleicht haben andere, die es auch etwas promiskuitiv lieben, nun den besten und aufregendsten Sex mit ihr, den ich im Ergebnis immer langweilig fand, weil mich die Beobachtung durch Dritte nicht anmacht, sondern ein heißes aber harmonisches Miteinander, das zusammen zum Höhepunkt findet, was ihr nie möglich war, sie unwichtig und unmöglich fand.

Vielleicht hätte sie im Swinger Club die wildesten Orgasmen gehabt, weil sie wüsste, es schauen ihr welche zu und genau das machte sie, die ihren Körper mit viel Ehrgeiz trainierte eben an, während ich das eher ablenkend fände. So auch die male, wo sie es bei offenem Vorhang auf ihrem Sofa am Fenster zum Hof tun wollte, das auch die spielenden Kinder nebenan einsehen konnten und die Nachbarn ohnehin, was sie lauter stöhnen ließ, als je wieder.

Um diese Lust ganz zu genießen, schlug ich dann vor, doch ins Schlafzimmer zu gehen, wo wir völlig frei wären - aber da wurde es wieder langweilig wie immer, jeder kam für sich oder auch nicht und von geteilter Lust oder gar Geilheit ihrerseits war nichts mehr vorhanden - sie war eher frustriert, dass mich dies nicht so anmachte, glaube ich inzwischen und ich genervt, dass sie  beim normalen Sex nichts spürte.

Verstanden habe ich nun auch, warum sie sich immer gewünscht hat, ich sollte sie mal in ihrem Büro in der Friedrichstraße besuchen, was ich absurd fand - was sollte ich da? Nachdem ich diese verunglückte Beziehung, die sich sonst leider auch nicht viel zu sagen hatte, irgendwann hinter mir ließ, wurde mir plötzlich klar, was sie da gewollt hatte und wie ich sie hätte reizen können, was es aufregend mit ihr vielleicht doch gemacht hätte. Aber so reagierten wir beide in unseren Schemen, sie träumte vom Cluburlaub in der Türkei, der für mich furchtbarsten Vorstellung Geld und Zeit zu verschwenden, während ich hoffte, sie durch Erfahrung und Technik endlich zu geteilter Lust mit ihr zu bringen, die sie nicht empfand. Sie brauchte vermutlich den Ausbruch, um sich geil zu fühlen, diese Seite zuzulassen und ich, der ja eigentlich alles mitmacht, wollte es erstmal zumindest auf normalem Wege befriedigend mit ihr machen und so kamen wir zu nichts am Ende beide und trenntenn uns lieber obwohl ich so gut neben ihr schlief wie nie zuvor.

Die Orte dort am Fenster zum Hinterhof oder einmal auf ihrem Balkon ein wenig, waren aber nicht so ungewöhnlich, dass sie große Aufregung in mir ausgelöst hätten. Bin beim Sex vermutlich eher ein gelassener Genießer, der weniger die wildesten Ritte oder die extravaganten Orte braucht, als gute Harmonie miteinander, die auch ganz ruhig und langsam sein kann, solange sie nur irgendwie zusammenkommt, sich dabei spürt - andere, jedenfalls alle, die das nicht kennen, suchen sich lieber einen anderen Kitzel. Sie erzählte mir einmal, sie hätte ihr letztes Bett mit einem meiner Vorgänger in wilder Lust kaputt gevögelt, was ich mir bei ihr nun wirklich nicht vorstellen konnte und so blieben wir uns vermutlich überall fremd.

Ein ganz gewöhnlicher und doch besonderer Ort für Sex ist immer noch das Café um die Ecke. In meinem liebsten Café, das Nachts zur Bar wird, war ich schon mit mancher meiner Liebsten und einige schöne Versuche haben sogar dort begonnen, die mehr oder weniger weit führten - wo mehr, hatten sie es zumindest nie weit zu mir in die Horizontale.

Gekommen bin ich noch nie dort, weil ich mir das lieber für den Moment aufspare, in dem beide es ganz genießen können, den Höhepunkt lieber teile. Doch habe ich mehr als einmal außergewöhnliche Erlebnisse mit den Frauen neben mir dort gehabt, die sich von mir, so unauffällig wie eben möglich und nötig in einem Café direkt am Platz, dessen Terrasse der Bürgersteig, über den so viele nebenbei flanieren, wie Autos durch unser Wohngebiet meist auf der Suche nach Parkplätzen kreisen, befriedigen ließen.

Besonders an einmal kann ich mich gut erinnern, als ich mich mit einer befreundeten Buchhändlerin traf, die ich zufällig via Facebook kannte und mit der ich mir schon diverse öffentliche Schlachten in und um Verse geliefert hatte. Sie hatte sich das Treffen gewünscht und ich hatte nichts dagegen gehabt, erwartete jedoch nichts, da ich sie für glücklich verheiratet hielt, wie sie es auch in ihrem Profil gern zeigte, wie die Muttis hier es eben so machen.

Was dann kam war eine außergewöhnlich attraktive Frau, teilweise sehr damenhaft, in Ansätzen. Brünett, schlank mit Rock und relativ hohen Absätzen, die Haare hochgesteckt, hatte sie eine wunderbar sinnliche Ausstrahlung und hätte mir gefallen, wenn ich es nicht vorher für mich ausgeschlossen hätte, da verheiratet und Mutter. Von ihrem Arschgeweih, das sie längst bitter bereute, Jugendsünde eben, wusste ich damals ja noch nichts. Mit verheirateten Frauen hatte ich genug schlechte Erfahrung gesammelt, darauf wollte ich mich nie wieder emotional einlassen und tat es dann doch wieder, unbelehrbar wie ich bin, aber darum ging es hier noch nicht.

Ein großer Fehler, denn du wirst nie etwas anderes als die zweite Geigen spielen, ein Liebhaber bleiben sonst nichts, so viel emotionales Schnickschnack auch drumherum gerankt wird. Mit jener wurde viel Show davor gemacht und viel an Gefühl noch phantasiert und ich wäre völlig in ein kümmerliches Loch gefallen, hätte ich sie nicht umgehend durch irgendwen anders wieder ersetzt, um nicht zu sehr zu leiden. All dies wäre vermeidbar gewesen, hätte ich mir vorher klar gemacht - sie ist verheiratet, was sie auch bleiben wollte - hab Spaß mit ihr und mehr nicht, lass sie nie emotional ganz an dich ran, hoffe nie auf mehr. Dann aber ist es das beste, was dir passieren kann, weil sie dich nie fesselt, dich so will, wie du bist und nicht mit dir darüber streitet, wer nun das Bad putzt oder den Abwasch macht.

Doch alle Theorie ist auch bei Geliebten grau und so endete es weniger schön als es anfing, was aber hier keiner weiteren Rede wert ist, wo es um Orte der Lust geht. Nachdem sie mir sehr deutlich klargemacht hatte, dass sie wusste, was sie wollte, sich nicht ohne Grund verabredet hätte und ich alle Scheu ablegen könne gegenüber ihrer Ehe, küssten wir uns leidenschaftlich auf der damals noch Bank vor meinem Café und meine Hände wanderten ihrer Natur folgend unter ihren Rock, was sie erst vorsichtig, dabei wohl ihrer Natur folgend, dialektisch zu sein, formal ein wenig abwehrte, bis ich doch einen Weg in ihre Feuchtgebiete fand und sie sich augenblicklich meinem Fingerspiel dezent stöhnend ergab.

Habe nie davor und danach eine Frau mit einer solchen Frequenz an Orgasmen erlebt. Sie kam während der Stunden bis gegen halb drei, die wir noch vor meinem Stammcafée umschlungen saßen mindestens zehn mal, irgendwann hörte ich auf zu zählen. Sie bat nach Luft schnappend um kurze Pausen, die ich irgendwann vom sportlichen Ehrgeiz getrieben ignorierte. Uns sie kam einfach immer wieder, mal heftiger, dann nur kurz zuckend, dann wieder sich beim Stöhnen auf die Lippen beißend, um nicht zu schreien, immerhin saßen wir mitten am Platz vor meinem Lieblingscafé, wären eine Störung der öffentlichen Ordnung geworden.

Ob die Bedienung im Café es merkte, was sie über uns an der Bar redeten, weiß ich nicht. Sie war nicht die einzige, die ich dort traf oder küsste, aber dann doch die einzige, die ich so häufig dort befriedigte. Sportlich betrachtet war ich erfolgreich, sie war glücklich, griff zwischendurch auch nach meiner Hose, unterließ aber mehr und äußerte mehrfach, diesmal käme sie nicht mit zu mir. Beim ersten mal ginge das gar nicht, da habe sie feste Regeln, eine Dame müsse darauf achten, ihre Achtung nicht zu verlieren und das ähnliche übliche Gerede vieler Frauen, die gern mal hier mal dort probieren aber eigentlich nicht wissen, was sie wollen. Dass ich mit der Frau, mit der ich am längsten in meinem Leben zusammen war, auch gleich die erste Nacht verbrachte, könnte zwar logisch und praktisch überzeugen, tut es aber faktisch nie, weil es nur um Macht und Gefühl geht, ein Spiel derer, die kaum wissen, was ihre Natur will.

Nahm solche Worte damals noch relativ ernst, weil ich irgendwie dachte, Frau, auch wenn sie deutlich mehr als zehn Jahre jünger war, wüsste, was sie wollte und hatte dennoch die Hoffnung durch weitere erfolgreiche Stimulation ihrer Klitoris in ihrem Höschen, unter ihrem Rock, irgendwo zwischen Bank und Tisch, würde ich sie davon überzeugen können, dass mein Schwanz am Ende besser wäre als nur meine Finger.

Doch genügte Frau, was sie befriedigte, so oft es auch war und besser wurde aus sportlicher Sicht der Beischlaf am Ende auch nicht, zumindest an der Frequenz ihrer Höhepunkte gemessen, zumal sie sich vor dem dann nächsten und unserem ersten mal so mit Wodka besoffen hatte, dass ich fast Sorge hatte, ich würde ein fast willenloses Opfer nur benutzen, als sie sich auf dem kurzen Weg zu mir noch beinahe zweimal übergeben musste. Was dann mein Helfersyndrom des Krankenpflegers weckte, ich mich nur noch besorgt um sie kümmern wollte, worauf sie weiblich dialektisch doch wieder Lust bekam, aber das ist ja gar kein Thema heute. Nur so viel vielleicht am Ende, der Vollzug des lange angekündigten war ok, besser als kein Sex, aber auch nichts, was der endlosen Zahl ihrer multiplen Orgasmen auf der Bank vor meiner Stammbar vergleichbar wäre, nicht der totale Wahnsinn, eher ganz nett.

Nie zuvor und nie danach habe ich eine Frau erlebt, die bei so starker physischer Reaktion im Genitalbereich, sie zuckte wirklich am ganzen Körper dabei zusammen und versuchte nur ihr Gesicht noch einigermaßen unter Kontrolle zu behalten, in so hoher Frequenz Orgasmen bei nie nachlassender Lust unter meinen sie mit verschieden hoher Frequenz taktierenden Fingerspitzen bekam. Als irgendwann auch das Café, das eine Bar nächtens war, schloss, begleitete ich sie noch zum Kiosk, um Zigaretten zu kaufen und befriedigte sie noch mehrfach beim Stehenbleiben unterwegs. Zweimal davon auf und an Spielplätzen und dabei verlor sie beim ersten mal in zuckender Hingebung noch ihren Ohrring, den ich zufällig am nächsten Tag wiederfand und den sie schließlich bei mir abholte.

Warum ich dieses Spiel mitgespielt habe, nachdem sie mir klar sagte, nicht beim ersten mal zu dir, Frau muss auf sich achten und sie dennoch selbstlos ohne eine Aussicht auf Befriedigung in einem Meer von Orgasmen schwimmen ließ, bis meine Finger fast taub wurden von den Tauchgängen in ihren Feuchtgebieten, weiß ich nicht mehr - aber jugendliche Naivität gepaart mit  sportlichem Ehrgeiz taten wohl ein übriges. Nichts erreichte mehr dieses erste mal und alles danach wurde mehr durch Erwartung als Realität aufgeladen und dennoch muss ich noch jedesmal lächeln, wenn ich an die Holzbänke an der Wand denke und diesen ersten Abend der multiplen Orgasmen.

Als eher schlichtes Gemüt genügt mir einmal, wenn es gemeinsam ist und sportliche Rekorde dabei überlasse ich gerne anderen, da sie eher von Ehrgeiz als von Genuss künden für meinen Geschmack. Wollte nicht wirklich von einer Frau vor dem Café befriedigt werden und zöge dann immer die horizontale für ausgelassenen Sex vor, weiß nicht, ob ich mit der Zeit der totale Langweiler wurde, oder die Erfahrung einfach lehrt, was gut tut und gefällt und dann wieder in der Beschränkung die wahre Kunst liegt. Wer sonst nicht kann, mag gern besondere Orte oder fühlt sich öffentlich heißer, wenn es genau nicht geht. Der Kenner und Genießer, braucht kein Spiel und freut sich an der Sache selbst, sage ich mir, um zu verdecken, dass ich vermutlich längst ein öder Sex-Spießer bin.
jens tuengerthal 14.3.2017

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen